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Ratgeber für Weingüter

Jahrgangswechsel im Onlineshop: neuer Jahrgang, ohne jeden Wein neu anzulegen

Von Thilo Nieke, Stand

Kurz gesagt. Beim Jahrgangswechsel im Onlineshop legst du den Wein am besten nicht neu an. Der Wein behält seine Produktseite, und der Jahrgang wird darauf eine Auswahl mit eigenem Preis, Bestand und eigenen Analysewerten. So bleibt die Adresse, die Google kennt, und der Restbestand vom alten Jahrgang verkauft sich weiter.

Beim Jahrgangswechsel im Onlineshop legst du den Wein am besten nicht neu an. Der Wein behält seine Produktseite, und der Jahrgang wird darauf eine Auswahl: 2024, 2023, 2022, jeder mit eigenem Preis, Bestand und eigenen Analysewerten. So bleibt die Adresse, die Google kennt, und die letzten Flaschen vom alten Jahrgang verkaufen sich weiter.

Warum der Jahrgangswechsel im Shop so viel Arbeit macht

Viele Shops kennen kein Feld für den Jahrgang. Dann bleiben zwei Wege, und beide haben einen Haken.

Du überschreibst den Wein mit den neuen Werten. Dann stimmen Text, Alkohol und Restzucker für die letzten Flaschen vom alten Jahrgang nicht mehr, die noch im Lager stehen. Oder du legst den neuen Jahrgang als neues Produkt an. Dann hat er eine neue Adresse, die Google erst wieder finden muss, und die Bewertungen hängen am alten Produkt.

In beiden Fällen gehst du jeden Wein einzeln durch. Bei einer Weinhandlung mit vielen Winzern kommt das übers Jahr immer wieder, sobald ein Winzer seinen neuen Jahrgang liefert.

Jahrgang als Variante anlegen: eine Seite pro Wein

Wie das aussieht, zeigt unsere Demo Weingut Dehmer. Der Steingrube Silvaner hat eine Seite. Oben wählst du 2024, 2023 oder 2022. Mit dem Jahrgang wechseln Preis, Grundpreis, die Beschreibung des Jahrgangs und der Bestand. Der 2022er steht dort als „Aus der Schatzkammer“ mit dem Restbestand. Den 2025er kann man schon vorab reservieren.

Shopify ist ein verbreitetes Shopsystem, auf dem auch unsere Shops laufen. Dort heißt die Auswahl am Produkt „Variante“. Ein Produkt kann laut Shopify-Hilfe bis zu 2.048 Varianten haben, Jahrgang und Flaschengröße passen also locker. Jede Variante hat ihren eigenen Preis, Bestand, ihr Bild und ihre Artikelnummer.

Eine Einschränkung gibt es: Analysewerte, Zutaten und Nährwerte je Jahrgang zeigt Shopify ab Werk nicht an. Zusatzfelder an der Variante sind laut Hilfe-Center für Kunden nicht sichtbar. Dafür muss die Vorlage des Shops angepasst werden, bei unseren Shops gehört das zum Bau.

Ist ein Jahrgang leer, musst du ihn nicht löschen. Shopify lässt einzelne Varianten zurückziehen, dann sind sie im Shop nicht mehr zu sehen. Einen neuen Jahrgang legst du vorab unsichtbar an und schaltest ihn frei, wenn die Flaschen gefüllt sind.

Dein Shop kann keine Varianten? Dann gibt es zwei Wege. Entweder lässt sich der alte Shop um ein Jahrgangsfeld erweitern, das hängt vom System ab. Oder du ziehst um, dann nehmen wir Weine und Kunden als Liste mit, alte Bestellungen je nach System. Der Umzug kostet bei uns ab 500 € zzgl. MwSt.

Bleibt die Google-Adresse beim neuen Jahrgang erhalten?

Ja, wenn der Wein seine Seite behält. Google beschreibt für Produkte mit Varianten zwei Bauweisen: alle Varianten auf einer Seite zum Auswählen oder jede Variante auf einer eigenen Seite. Bei der ersten verlangt Google laut Google Search Central eine einzige Adresse für den ganzen Wein.

Für dich ändert sich durch den Jahrgang also nichts an der Adresse. Als eigenes Merkmal einer Variante, so wie Farbe oder Größe, kannst du Google den Jahrgang allerdings nicht melden. An der Adresse ändert das nichts.

Hast du für jeden Jahrgang eine eigene Seite, dann leite die alte Seite auf die neue weiter, sobald der alte Jahrgang ausverkauft ist. Eine dauerhafte Weiterleitung ist laut Google der Weg, Suchmaschinen den neuen Ort zu zeigen. Im Shop stellst du sie einmal je Wein ein. Ohne Weiterleitung fängt die neue Seite bei null an.

Nährwertangaben beim Wein: was je Jahrgang stimmen muss

Das E-Label ist die Seite mit Zutaten und Nährwerten, auf die der QR-Code auf dem Etikett führt. Seit der Verordnung (EU) 2021/2117 sind diese Angaben Pflicht für Weine, die ab dem 8. Dezember 2023 hergestellt wurden. Es zählt also, wann der Wein fertig war.

Die Regel gilt EU-weit. Am verständlichsten erklärt sie das Infoblatt des LGL Bayern, der bayerischen Lebensmittelbehörde. Danach betrifft das bei Stillwein meist erst den Jahrgang 2024. Beim Sekt kann auch ein 2023er dazugehören, weil er erst nach der zweiten Gärung als hergestellt gilt.

Ein eigenes E-Label für jeden Jahrgang schreibt niemand vor. Die Nährwerte sind Durchschnittswerte, für die großzügige Toleranzen gelten. Haben zwei Jahrgänge die gleichen Zutaten und Werte, dürfen sie laut LGL auf dieselbe Seite verweisen. Ändern sich die Zutaten oder weichen die Werte über die Toleranz hinaus ab, bekommt der neue Jahrgang eigene Angaben.

Drei Dinge gehen beim Wechsel gern schief:

  • Die E-Label-Seite muss neutral sein. Sie darf nichts verkaufen, keine Shop-Links zeigen und keine Besucherdaten erheben. Das LGL verlangt eine Seite außerhalb der eigenen Homepage.
  • Das alte E-Label bleibt online. Laut LGL, solange der Wein haltbar ist: bei einfachen Weinen fünf, bei lagerfähigen wie Großen Gewächsen zehn Jahre.
  • Im Shop gehören die Angaben auf die Produktseite. Ob im Shop ein Link reicht, sehen Fachleute unterschiedlich: Das LGL hält ihn für denkbar, die IT-Recht Kanzlei für riskant. Sicher bist du mit vollständigen Angaben beim Jahrgang.

Als Weinhandlung legst du meist kein E-Label an, das macht der Abfüller, in der Regel das Weingut. Füllst du selbst ab oder verkaufst unter eigenem Namen, liegt es bei dir.

Im Shop musst du alle Pflichtangaben vor dem Kauf zeigen, also auch Alkohol und den Hinweis „enthält Sulfite“, jeweils beim richtigen Jahrgang. Am einfachsten fragst du die Werte mit der Bestellung des neuen Jahrgangs gleich mit ab. Das ist auch die meiste Arbeit beim Wechsel.

Mit dem Preis ändert sich auch der Grundpreis je Liter, den § 4 PAngV neben dem Gesamtpreis verlangt. In Shopify hängt der Grundpreis an der Variante und rechnet sich laut Hilfe-Center bei einer Preisänderung neu. Und was im Shop steht, zählt beim Kauf: Nach § 434 BGB gehören die Angaben des Verkäufers zu dem, was der Kunde erwarten darf. Zeigt der Shop 2024 und im Karton liegt 2025, kann der Kunde reklamieren.

Wenn Winestro dahintersteht

Arbeitest du mit Winestro, ist dort jede neue Füllung ein eigener Artikel. Das Winestro-Handbuch empfiehlt dafür Nummern wie 10+2024 und 10+2025. Nach außen bleibt es Artikel 10, intern zählt Winestro jeden Jahrgang getrennt.

Die Shopify-Anbindung von Winestro überträgt Bestellungen aus dem Shop an Winestro. Dafür muss im Shop als Artikelnummer genau die Winestro-Nummer stehen. Mit dem Jahrgang als Variante geht das gut: Jede Variante bekommt ihre Winestro-Nummer. Füllst du einen Jahrgang zweimal, sind das in Winestro zwei Artikel mit eigener Nummer. Dann braucht der Shop eine Variante je Füllung, oder ihr klärt beim Einrichten, wie Bestellungen der richtigen Füllung zugeordnet werden.

So läuft der Wechsel in fünf Schritten

  1. Neuen Jahrgang als Variante anlegen, im Shop noch unsichtbar.
  2. Werte eintragen: Preis, Alkohol, Restzucker, Säure, Zutaten, Nährwerte, ein paar Sätze zum Jahrgang. Die Werte kommen vom Weingut oder aus deiner Analyse, ausdenken kann sie dir keiner.
  3. E-Label prüfen: Als Weingut gilt: gleiche Werte, gleiche Seite, andere Werte, eigene neutrale Seite. Als Weinhandlung trägst du die neuen Werte vom Weingut beim Jahrgang ein.
  4. Freischalten, wenn die Flaschen gefüllt sind. Der alte Jahrgang bleibt mit seinem Restbestand wählbar.
  5. Alten Jahrgang zurückziehen, wenn er leer ist. Die Seite und ihre Adresse bleiben.

Als Weinhandlung erledigst du Schritt 1 und 2 für alle Weine auf einmal. Shopify nimmt neue Jahrgänge über eine Liste auf, die du aus Excel als CSV-Datei speicherst. Achte dabei auf die Spalten für den Jahrgang, in der Vorlage heißen sie „Option1 Name“ und „Option1 Value“. Fehlen sie, löscht der Import laut Shopify deine vorhandenen Jahrgänge. Exportiere vorher eine Sicherung.

In unseren Shops legen wir den Jahrgang von Anfang an als Auswahl an. Für neue Jahrgänge gibt es zwei Wege. Entweder du schickst uns die Werte als Sprachnachricht, und wir tragen den Wein ein und legen die Pflichtangaben-Seite für den QR-Code an. Oder du erledigst das selbst mit einem KI-Assistenten, den wir als Zusatz anbieten. Was er bei dir kosten würde, besprechen wir im Gespräch, weil Shopify selbst inzwischen einiges mitbringt. Was ein ganzer Shop kostet, steht im Artikel Was kostet ein Onlineshop fürs Weingut?.

Sieh es dir mit deinen Weinen an

Schick uns deine Weinliste mit den Jahrgängen, die gerade im Verkauf sind. Nach einem kurzen Gespräch bekommst du einen Festpreis und einen Entwurf mit ein paar deiner Weine und der Jahrgangswahl. Bezahlt wird erst, wenn du den Entwurf annimmst. Gefällt er dir nicht, ist die Sache erledigt. Entwurf anfragen

Stand: 2. Oktober 2026. Das ist keine Rechtsberatung. Die Verordnung findest du auf EUR-Lex, die deutschen Vorschriften auf gesetze-im-internet.de. Wie dein E-Label aussehen muss, klärst du im Zweifel mit deinem Weinbauverband oder einer Kanzlei.

Häufige Fragen

Muss ich für jeden Jahrgang ein eigenes E-Label anlegen?

Nur, wenn sich beim neuen Jahrgang die Zutaten ändern oder die Nährwerte über die erlaubten Toleranzen hinaus abweichen. Jahrgänge mit gleichen Zutaten und Werten dürfen auf dieselbe E-Label-Seite verweisen. Das alte E-Label bleibt erreichbar, solange der Wein haltbar ist, bei einfachen Weinen fünf Jahre, bei lagerfähigen Weinen wie Großen Gewächsen zehn.

Verliere ich bei Google meinen Platz, wenn der Jahrgang wechselt?

Nicht, wenn die Adresse bleibt. Bei einer Seite pro Wein mit dem Jahrgang als Auswahl ändert sich die Adresse nicht. Wer für jeden Jahrgang eine eigene Seite hat, leitet die alte Seite dauerhaft auf die neue weiter, sobald der alte Jahrgang ausverkauft ist.

Wie lege ich neue Jahrgänge für viele Weine auf einmal an?

In Shopify über eine Liste, die du aus Excel als CSV-Datei speicherst und importierst. In der Liste müssen die Spalten für den Jahrgang stehen, sonst überschreibt der Import die vorhandenen Jahrgänge. Vorher eine Sicherung exportieren.

Quellen

  1. Google Search Central: Strukturierte Daten für Produktvarianten, zuletzt aktualisiert 08.09.2026, abgerufen 02.10.2026
  2. Google Search Central: Crawling-Fehler beheben (404, 410, 301), zuletzt aktualisiert 18.12.2025, abgerufen 02.10.2026
  3. Shopify Hilfe-Center: Varianten hinzufügen, abgerufen 02.10.2026
  4. Shopify Hilfe-Center: Varianten (Übersicht, Zusatzfelder), abgerufen 02.10.2026
  5. Shopify Hilfe-Center: Varianten veröffentlichen und zurückziehen, abgerufen 02.10.2026
  6. Shopify Hilfe-Center: Produkte per CSV importieren, abgerufen 02.10.2026
  7. Shopify Hilfe-Center: Grundpreise, abgerufen 02.10.2026
  8. Verordnung (EU) 2021/2117, Art. 1 Nr. 32 und Art. 5 Abs. 8, Amtsblatt L 435 vom 06.12.2021, abgerufen 02.10.2026
  9. LGL Bayern: Infoblatt Zutatenverzeichnis und Nährwertdeklaration bei Wein, Stand 17.04.2025, abgerufen 02.10.2026
  10. IT-Recht Kanzlei: Online-Verkauf von Wein, Zutaten und Nährwerte per QR-Code, 07.02.2025, abgerufen 02.10.2026
  11. Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz), abgerufen 02.10.2026
  12. § 4 PAngV, Grundpreis, abgerufen 02.10.2026
  13. § 434 BGB, Sachmangel, abgerufen 02.10.2026
  14. Winestro-Handbuch: Einen neuen Artikel anlegen, zuletzt bearbeitet 04.09.2026, abgerufen 02.10.2026
  15. Winestro-Handbuch: Shopify, zuletzt bearbeitet 21.01.2026, abgerufen 02.10.2026
Thilo Nieke

Thilo Nieke

Thilo hat fünf Jahre lang WeinDaheim als eigenen Weinshop betrieben, mit über 1.200 Bestellungen, selbst gepackt und verschickt. Heute baut WeinDaheim Websites und Onlineshops für Weingüter, mit den Pflichtangaben, die er damals selbst herausfinden musste. Mehr über uns

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